Einführung zur Ausstellung im Rathaus Königstein, 06.10.2015 ( in Auszügen )

Gregor Maier, M.A., Fachbereichsleiter für Kultur des Hochtaunuskreises

 

"....Die Geometrie, die Komposition – wenn man so will: die Architektur des Bildes – spielen in ihrer Arbeit eine große Rolle. Die Bilder sind klar aufgebaut und gegliedert. Es sind kräftige Farbflächen, die klar voneinander abgegrenzt sind und das Bild strukturieren. Dabei hat sie ein sicheres Gespür für den Bildausschnitt, der immer mit Bedacht gewählt ist, für Gewichtung und Proportion – ein Architekt würde vielleicht sagen: die Statik ihrer Bilder stimmt....

Freilich – wenn ich die Bedeutung der Geometrie betone, dann heißt das nicht, dass die Bilder kalt technisch konstruiert wären, auch nicht, dass es der Künstlerin nur auf die Oberfläche, auf Farben und Formen ankäme. Das Gegenteil ist der Fall: Die Bilder, die wir hier sehen, sind voller Empathie und Zuneigung, voller Geschichten und Gedanken.

 

Diese Sympathie der Künstlerin für das, was sie malt, finden wir in vielen Arbeiten, etwa in ihren – oft beleibten – Frauenfiguren oder auch in ihren Schweine-Bildern.... Das sind keine Naturstudien, sondern durchaus ernstzunehmende Porträts; die Schweine, die die Vegetarierin Czeran malt, begegnen uns als individuelle Geschöpfe, geradezu als Persönlichkeiten. Diese Haltung der Künstlerin findet ihren Ausdruck in dem wunderschönen Bildtitel für die Arbeit mit der Frau, die auf einem Kamel reitet: „Sei stolz und lebe glücklich“. Das scheint geradezu ein Motto zu sein, das die Malerin ihren Modellen zurufen will. ...

 

Mit der Empathie, die sich auf den Betrachter überträgt, kommen auch die Geschichten, die wir in den Bildern vermuten können. Ganz unwillkürlich begibt man sich beim Betrachten auf die Suche nach einem Kontext, nach einer Handlung, die der gezeigten Momentaufnahme zugrunde liegt. .... Was hat es mit den Wüstenbildern auf sich? Was hat die kleine rote Dose innerhalb dieser Ornament-Bilder zu bedeuten? Die Bilder weisen über sich hinaus, aber nicht plakativ im Sinne einer klaren Aussage, sondern als Rätsel, als Einladung an Phantasie und Reflexion. ... In diesem Sinne würde ich die Kunst, die wir hier sehen, durchaus als mitteilsam bezeichnen. Nicht unbedingt in dem Sinne, dass die Künstlerin eine dezidierte Botschaft hat, die sie uns durch ihre Bildersprache vermitteln will. Vielmehr sind wir es, die eingeladen sind, in diesen Bildern Mitteilungen zu entdecken, die uns etwas angehen. Die Bilder von Martina Czeran geben den Assoziationen, Geschichten, Fantasien und Gedanken, die in uns selbst stecken, einen Resonanzraum.

 

Bei diesen drei Punkten – Architektur, Empathie und (akademisch ausgedrückt) Narrativität (oder neudeutsch: storytelling) – will ich es bewenden lassen. Denn: Wenn ich das, was ich eben über die Kunst von Frau Czeran gesagt habe, ernst nehme, dann kommt es eben nicht darauf an, sich von irgendjemandem das, was man vor sich hat, erklären zu lassen – sondern es kommt darauf an, selbst den Assoziationen nachzuspüren, die in den Bildern stecken. Die Bilder sprechen eine Einladung zum Dialog und zum Gespräch aus – zum stillen Gespräch mit dem Bild, aber genauso zum lebendigen Gespräch vor dem Bild, wozu ich Sie jetzt herzlich einlade."

 

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© Martina R. Czeran